Abgedreht im Wald

Wie hier an der Badestelle „Teppich“ an der Müggelspree, hilft die Berliner Stadtreinigung (BSR) seit einiger Zeit der Natur mit ihren beliebten orangenen Papierkörben bei der Müllbeseitigung. Gibt es das überhaupt, Müll in der Natur? Klarer Fall von Suggestivfrage. Und wir werden mit dieser schönen Vorlage auch im Film starten. Denn die Natur verwaltet seit Millionen von Jahren ihren Müll selbst und verwertet alles rückstandsfrei, höchst nachhaltig, ohne Sonderdeponien oder Müllheizkraftwerke. Mit dem Müll der Spaziergänger und Badenen könnte das allerdings etwas dauern. Die Kunststoffe werden zwar mit der Zeit immer kleiner, nicht aber unbedingt in Minerale umgewandelt, so daß sie wieder Teil des Stoffkreislaufes wären. Stattdessen belastet Plastik die Umwelt- anfangs in größeren Brocken, später dann als Mikroplastik. Deswegen übernimmt die BSR den Plastikmüll der Erholungssuchenden, und alles was auch sonst in den Mülltonnen landet. Im technischen Verwaltungssprech wird es dann einer stofflichen Verwertung im MHKW zugeführt. Praktisch wird es dann verbrannt und mit der freiwerdenden Energie Strom und Wärme erzeigt. Deswegen ist das die letzte Drehstation des Filmes, jetzt geht es in die Postproduktion!

Müll und Märchen

Als Outtake aus dem Schnitt unseres Müllepos gibt es eine Geschichte, dies es so wohl nicht in den Film schaffen wird. Am ersten Drehtag erzählte uns Förster Carsten Stohrbeck vom Teufelssee und der Sage des versunkenen Schlosses. Teufel und Schloss hielten sich zwar im Herbstwald und Moor verborgen, trotzdem beeindruckte die Landschaft um die Müggelberge bei Berlin.

Roadmovie – Reisen eines Tetrapacks

Es ist vollbracht: In zahlreichen Tagen Vorbereitung und einer langen Nachtschicht haben Konopka und Bierschenk zusammen mit vielen helfenden Händen die Animationssequenz für unseren neuen Dokumentarfilm „Tonnentaucher“ fertiggestellt.

Ganz anders als im Wald, wo ein Blatt dort, wo es vom Baum fällt, natürlich von Mikroben, Kleinsttierchen und Pilzen zersetzt wird, ist modernes Recycling von Haushaltsmüll extrem transport- und energieintensiv. Um das zu zeigen, begleitet unsere Animation einen Tetrapack auf seiner langen Reise: Vom Supermarkt nach Hause, in die Gelbe Tonne, zur Müllabfuhr, in die Sortieranlage, zur Recyclinganlage, der Weiterverwertung und als neuer Tetrapack wieder zurück in den Supermarkt.

Was sich wie eine einfache Geschichte anhört, war mit einem enorm aufwendigen Pensum an Arbeitsschritten für unsere Animatoren verbunden. Wie lässt sich eine tonnenschwere Papierwaschtrommel, eine fabrikgroße Sortieranlage oder der kilometerweite Transport mit schweren Lastwagen in einem kleinen Berliner Animationsstudio nachbauen? Und das in einem sehr kleinem Low Budget Rahmen, ganz ohne Computertricks, Bluescreen oder Kameras mit Motioncontrol?

Einfallsreichtum, die Verwendung von ausrangierten Materialien, Abfall oder alten Küchengeräten haben dieses Kunststück möglich gemacht. Wir freuen uns, bald erste Ausschnitte zeigen zu können und wünschen bis dahin viel Spaß mit ein paar Bildern vom Making Off.

Vom Pappförderband in die Küchenhäcksler- Zentrifuge: Nur mit viel EInfallsreichtum lassen sich mit geringen Mitteln die Recyclingprozesse eines Tetrapacks nachbilden.

Plattenspieler als Bühnenmotoren: Die Kulissen werden von zwei Plattenspielern an der Kamera vorbeigezogen um vorbeilaufende Passanten zu zeigen.

Gleich greift die Papphand den Tetrapack und schenkt Saft in das Glas. Aus Budgetgründen wird die Animation nicht in Einzelbildern sondern mit 25 Bildern pro Sekunden gedreht.